Man sagt, in La Paz atmet man den Himmel. Was sie verschweigen: Auf 3.600 Metern Höhe kämpft man erstmal um jeden Atemzug. Schon beim Aussteigen aus dem Bus hatte ich das Gefühl, ich hätte einen Marathon gelaufen – nur, dass ich nicht stolz war, sondern einfach außer Puste.

Doch sobald ich mich an die dünne Luft gewöhnt hatte, zog mich diese Stadt in ihren Bann. La Paz ist ein einziges Durcheinander aus Höhenunterschieden, Seilbahnen und einer chaotischen Energie, die gleichzeitig chaotisch und unglaublich faszinierend ist.

Schweben über La Paz

Mein erster Halt: die berühmten Seilbahnen, die sogenannten Teleféricos. Für läppische 3 Bolivianos schwebte ich wie ein Vogel über die Stadt. Von oben sieht La Paz aus wie ein Puzzle aus roten Ziegelsteinen, das jemand in einen riesigen Kessel geworfen hat. Häuser klettern die Berghänge hinauf, während unten der Trubel tobt. Die Seilbahn war nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern auch eine Art Meditation: die perfekte Gelegenheit, in aller Ruhe die Stadt zu überblicken und gleichzeitig über das Leben nachzudenken.

Eine Erkenntnis ließ mich nicht los: Glück ist vielleicht nicht die Aussicht, die wir uns wünschen, sondern die Perspektive, die wir einnehmen.

Hexenzauber und Souvenirjagd

Nächster Stopp: der Hexenmarkt, der Mercado de las Brujas. Der Name allein versprach Abenteuer – und er hielt sein Versprechen. Zwischen bunten Stoffen, Alpakawoll-Ponchos und kleinen geschnitzten Talismanen fand ich die kuriosesten Dinge, die ich je gesehen habe: mumifizierte Lama-Föten. Ja, richtig gelesen. Diese werden von den Bolivianern traditionell als Opfergaben verwendet, um das Wohlwollen der Götter zu sichern. Ich entschied mich allerdings für weniger exotische Mitbringsel: ein paar Cocablätter und eine farbenfrohe Tasche.

Während ich durch die engen Gassen schlenderte, wurde mir klar, dass Glück oft aus den kleinen Dingen besteht – einem Gespräch mit einem Straßenhändler, dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee oder der Freude, ein echtes Unikat gefunden zu haben.

Ein Spaziergang im Mondtal

Ein Tagesausflug führte mich ins Valle de la Luna, das Mondtal, das nur 12 Kilometer von La Paz entfernt liegt. Die Landschaft war surreal – wie aus einer anderen Welt. Zwischen den bizarren Felsformationen fühlte ich mich klein, aber nicht unbedeutend. Es war, als würde die Natur sagen: „Schau mal, was ich in Millionen von Jahren erschaffen habe. Und du dachtest, du hast viel Geduld gebraucht, um auf deinen Bus zu warten.“

Das Mondtal zeigte mir, dass Glück manchmal bedeutet, sich winzig zu fühlen – weil es uns daran erinnert, wie großartig die Welt ist.

Abschied mit Vorfreude

Nach ein paar Tagen in La Paz ging es weiter Richtung Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt. Während ich die Stadt hinter mir ließ, war ich erfüllt von einer seltsamen Mischung aus Dankbarkeit und Leichtigkeit.

La Paz hatte mich nicht nur an meine körperlichen Grenzen gebracht – Sauerstoff ist überbewertet – sondern auch an neue Erkenntnisse: Glück ist nicht immer der große Moment, sondern oft das Staunen über die kleinen Wunder am Wegesrand. Und manchmal ist Glück einfach eine Seilbahnfahrt mit grandioser Aussicht.