Die Entscheidung für den Lares Trek fiel aus der Not heraus – der berühmte Inka Trail war ausgebucht. Doch schnell stellte sich heraus, dass genau diese vermeintliche zweite Wahl mich tiefer in die Seele der Anden eintauchen ließ, als ich es mir je hätte vorstellen können. Vier Tage fernab von heißem Wasser und Strom, dafür näher an den Menschen und der Natur, die mich lehrten, wie viel Leichtigkeit auch in der Härte liegen kann.

Die Anspannung war groß und bereits die ersten Schritte machten klar: Dies würde keine einfache Wanderung werden, sondern eine Reise zu den Ursprüngen, zur Natur und auch ein wenig zu mir selbst.

Tag 1: Der Anfang und das Ende des Komforts

Circa vier Stunden dauerte die Fahrt nach Lares, unserem Ausgangspunkt. Der Weg führte vorbei an einem lokalen Markt, wo wir uns mit Snacks für die kommenden Tage eindeckten – eine Mischung aus Schokolade, Trockenfrüchten und der Hoffnung, dass mein Magen diese Entscheidung überleben würde. Nach einer Mittagspause in einer schlichten Berghütte begann der zweite Abschnitt des Tages: ein stetiges Bergauf auf fast neun Kilometern. Unsere Reisetaschen und die Zelte wurden auf Pferden transportiert, was zumindest den Rücken entlastete, aber meine Beine waren auf sich allein gestellt.

Als wir unser Camp auf 3.800 Metern erreichten, erwarteten uns bereits aufgeschlagene Zelte und der Duft eines warmen Abendessens. Die Nächte auf dieser Höhe sind frostig, und so schlüpften wir nach einer kurzen Mahlzeit schnell in unsere Schlafsäcke. Die Temperaturen sanken auf null Grad, aber die Vorfreude auf den nächsten Tag hielt mich warm – zumindest ein wenig.

Tag 2: Höhenmeter, Herausforderungen und der “Worst Case”

Um fünf Uhr früh klopfte es sanft an unser Zelt. “Buenos días, Coca Tee” – zwei Tassen dampfender Tee standen vor unserer Tür, begleitet von einer Schüssel warmem Wasser zum Waschen. Das nenne ich mal Service! Doch mein euphorischer Start wurde schnell getrübt: Der Magen rebellierte. Heftiger Durchfall machte jeden Schritt zur Qual. Ohne vernünftige Toilette war das nicht nur körperlich, sondern auch mental eine echte Herausforderung.

Trotz allem schaffte ich es, die Schönheit der Landschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Der Weg schlängelte sich durch ein Tal, das von mächtigen Bergen und leuchtenden Gletscherseen eingerahmt wurde. Unsere Crew, ausgerüstet mit nichts weiter als Sandalen und abgetragenen Chucks, überholte uns mit den Pferden, um das nächste Camp vorzubereiten. Ihre Ausdauer und Gelassenheit beeindruckten mich zutiefst.

Tag 3: Kuchen auf 4.000 Metern

Am letzten Morgen wartete eine Überraschung, die ich auf einem Trek wie diesem nicht erwartet hätte: Ein frisch gebackener Kuchen zum Frühstück! Ich war baff – wir alle waren es. Wie sie das mitten in den Anden hinbekommen haben, bleibt ein Rätsel. Doch genau das war der perfekte Abschluss, um die Strapazen der letzten Tage mit einem Lächeln Revue passieren zu lassen.

Zurück in der Zivilisation

Mit dem Zug von Perurail geht es weiter in Richtung Aguas Calientes, der letzten Station vor Machu Picchu. Die Fahrt selbst ist ein Erlebnis, denn die Landschaft verändert sich ständig und bietet immer neue, atemberaubende Ausblicke.

Als wir schließlich in die Zivilisation zurückkehrten, spürte ich eine Mischung aus Erleichterung und Wehmut. Die heiße Dusche war ein Geschenk, aber ich vermisste sofort die Einfachheit der letzten Tage – die Klarheit, die Stille und die Erkenntnis, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein.

Der Lares Trek war eine Reise voller Höhen und Tiefen, sowohl geografisch als auch emotional. Doch das Wichtigste, das ich mitgenommen habe, ist die Einsicht, dass Glück nicht in Perfektion liegt. Es liegt in den kleinen Gesten, den Herausforderungen, die uns wachsen lassen, und in der Verbundenheit mit der Welt um uns herum. Oh, und in Kuchen auf 4.000 Metern.

Hightlight Machu Picchu

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon um 4:15 Uhr. Unsere Gruppe hat sich entschieden, früh zum Machu Picchu zu kommen, um den Massen zuvorzukommen. Die Schlange für den Bus ist schon ziemlich lang, als wir am Abfahrtsort ankommen, aber die Aufregung lässt uns die Müdigkeit schnell vergessen.

Der Bus bringt uns in den frühen Morgenstunden die Serpentinen hinauf zum Machu Picchu. Während wir den Aufstieg machen, ist es noch kühl und dunkel, doch langsam bricht der Tag an und die ersten Sonnenstrahlen tauchen die Ruinen in ein magisches Licht. Als wir den Eingang erreichen, sind wir glücklich, die antiken Steine fast für uns allein zu haben.

In der Stille des Morgens genießen wir die Ruhe und die einzigartige Atmosphäre des Ortes. Der berühmte Aussichtspunkt, von dem aus man das klassische Bild von Machu Picchu mit den steilen Terrassen und den schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund aufnehmen kann, ist noch unbesetzt. Wir nehmen uns Zeit, die beeindruckende Architektur zu bestaunen und das Gefühl zu genießen, an einem so besonderen Ort zu stehen.

Nachdem wir die verschiedenen Bereiche der Ruinen erkundet haben, setzen wir uns auf einen Felsen und lassen die Eindrücke wirken. Machu Picchu ist ein magischer Ort, der seine Besucher immer wieder aufs Neue fasziniert – eine Erfahrung, die man einfach selbst erleben muss.