Jeden Tag stehe ich mit offenem Mund da und denke mir: „Das ist unglaublich. So surreal.“ Die Eindrücke sind so überwältigend, dass ich froh bin, sie mit Fotos festhalten zu können, da ich gar nicht hinterherkomme, sie zu verarbeiten. Oft bleibt keine Zeit, das Erlebte sacken zu lassen. Nachts liege ich wach, gefangen in Gedanken, und merke, dass ich mich in den letzten Tagen unzufrieden fühle. Etwas fehlt. Die Reise läuft anders als geplant – voller Highlights, aber ohne die Leichtigkeit und Freiheit, die ich mir gewünscht habe. Alles geht so schnell, die Eindrücke überschlagen sich, und ich komme kaum nach, sie zu begreifen. Ich bin überrollt und frage mich, ob ich wirklich in der richtigen Geschwindigkeit unterwegs bin.
In den letzten Tagen war ich innerlich unruhig, unzufrieden und irgendwie down. Manchmal frage ich mich, warum – schließlich stehe ich mitten im Paradies und erlebe gleichzeitig so viele atemberaubende Dinge, von denen andere nur träumen können. Doch die Reise verläuft anders, als ich es mir erhofft hatte. Der ersehnte Zustand von Leichtigkeit und Freiheit bleibt aus. Auf dem Weg zum Colca Canyon platzt schließlich der Knoten.
Ein Impuls durchzuckt mich. Ich spüre plötzlich ganz klar, dass dies nur der Anfang ist. Ich werde ein weiteres Sabbatical machen. Und das nächste Mal werde ich besser vorbereitet sein – freier, selbstständiger und mit einem klareren Ziel.
Die Kraft des Augenblicks
Vor der riesigen Schlucht stehe ich nun, die Kondore gleiten über uns. Ihre Flügel breiten sich majestätisch aus, und ich höre den Wind in ihrem Gefieder. Ein unbeschreiblicher Moment. Da meldet sich eine innere Stimme: „Vertrau auf deine Intuition. Hör auf dein Herz. Geh, du wirst es nicht bereuen. Du hast keine Wahl. Du weißt das.“ Die Kondore rasen nur wenige Meter über uns hinweg – der Luftzug in ihren Flügeln ist so spürbar, dass ich es mit jeder Faser meines Körpers wahrnehme. Ich kann nicht anders, als zu grinsen. So beflügelt stehe ich da, und auch wenn ich versuche, den Moment mit meinem Handy festzuhalten, genieße ich gleichzeitig das Erleben. Diese Natur – sie ist einfach unglaublich.
Der wahre Kern des Abenteuers
In diesem Moment wird mir klar: Die Reise, die ich gemacht habe, ist mehr als nur das Sammeln von Eindrücken und das Überwinden von Herausforderungen. Es geht nicht nur um das, was ich sehe, sondern auch darum, was ich fühle. Ich habe viel über mich selbst gelernt. Denn die wahre Freiheit, die ich suche, liegt nicht immer in den äußeren Momenten – sie ist in den inneren. Es sind die stillen, oft unscheinbaren Momente, in denen ich mich selbst finde und erkenne, was mir wirklich wichtig ist. Und es sind diese Momente, die mir die Klarheit geben, die ich brauche, um für die nächsten Etappen der Reise besser vorbereitet zu sein: mit mehr Ruhe, mehr Vertrauen und einer tieferen Verbindung zu mir selbst.
Diese Reise hat mir gezeigt, dass es nicht nur darum geht, neue Orte zu entdecken, sondern auch, neue Facetten von mir selbst zu erkennen.







