Nach all den intensiven Erlebnissen der letzten Wochen ist es endlich so weit – Kolumbien ruft! Cartagena, die lebendige Hafenstadt an der Karibikküste, wird meine letzte Etappe. Doch bevor ich mich der nächsten Reisegruppe anschließe, nehme ich mir ein paar Tage Zeit für mich. Zeit, um durchzuatmen, die Erlebnisse der Reise Revue passieren zu lassen und mich einfach treiben zu lassen.

Schon in meinem Hostel lerne ich direkt zwei Mädels kennen. Wir verstehen uns auf Anhieb, also ziehen wir gemeinsam los, erkunden die bunten Kopfsteinpflasterstraßen und posieren an den berühmten Instagram-Spots. Cartagena hat davon mehr als genug – leuchtende Fassaden, Balkone voller Blumen und natürlich die beeindruckende Stadtmauer, die alles umrahmt.

An einem der Tage gönne ich mir einen kleinen Luxusausflug, den ich mir nach fast drei Monaten Rucksackleben mehr als verdient habe. Ich lande in einem großen Einkaufszentrum, das mich mit seinen blitzblanken Schaufenstern und klimatisierten Fluren fast erschlägt. Nach Wochen in denselben Sportklamotten freue ich mich, ein paar neue Teile in den Händen zu halten, die nicht nach Outdoor-Abenteuer schreien. Doch der Höhepunkt meines „Verwöhnprogramms“ wartet anderswo: eine Pediküre.

Kaum sitze ich in dem bequemen Sessel, meine Füße im warmen Wasserbad, fühle ich mich wie in einem Wellnesstempel. Die letzten Wochen ohne Föhn, mit staubigen Wanderschuhen und funktionalem Styling sind plötzlich weit weg. Während mir die Füße massiert und die Nägel frisch lackiert werden, überkommt mich ein Gefühl purer Entspannung – ein Moment, der nach all der Reisehektik unendlich wohltuend ist. Wer hätte gedacht, dass ich so etwas Alltägliches wie einen Besuch beim Nagelstudio so sehr genießen könnte?

Abends gönnen wir uns Cocktails in einer kleinen Bar. Zwischen Mojitos und Salsa-Rhythmen entsteht ein Gespräch, das mich nachdenklich macht. Wie ist es möglich, mit wildfremden Menschen so schnell tiefgründige Themen anzuschneiden? Liegt es daran, dass man weiß, dass man sich vielleicht nie wiedersehen wird? Dass man sich deshalb einfach so zeigt, wie man ist, ohne die Angst, verurteilt zu werden? Vielleicht macht genau das das Reisen so besonders: diese Freiheit, sich selbst und anderen gegenüber ganz ehrlich zu sein.

Während ich durch die Straßen schlendere, sauge ich das karibische Lebensgefühl auf. Die Stadt ist eine einzige Explosion aus Farben, Musik und Lebensfreude. Tänzer wirbeln durch die Straßen, der Duft von frittierten Arepas liegt in der Luft, und aus jeder Ecke klingt ein anderer Song. Cartagena ist alles, was ich mir unter dem karibischen Südamerika vorgestellt habe – und wahrscheinlich noch ein bisschen mehr.

Die Tage hier sind der perfekte Abschluss meiner Reise. Kolumbien lädt dazu ein, den Akku wieder aufzuladen: farbenfroh, lebendig und paradiesisch. Ich liebe die Farben, die Sonne, die Wärme und das leckere Essen. Und obwohl ich noch nicht ganz bereit bin, mich von diesem Abenteuer zu verabschieden, spüre ich, dass es der richtige Moment ist, um anzuhalten, zu genießen – und vielleicht auch schon vom nächsten Ziel zu träumen.